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Tag des Schlafes: So kann Kieferorthopädie gegen Schnarchen helfen

25. August 2021

„Du schnarchst, das ist ja nicht zum Aushalten!“ Wenn dieser Satz auch in Ihrem Schlafzimmer manchmal fällt, lohnt sich ein Gang zum Kieferorthopäden. Denn in vielen Fällen kann er das nächtliche „Sägen“ mit einer individuell angepassten Anti-Schnarch-Schiene abstellen. Bei einer Schlafapnoe muss man allerdings genauer hinschauen.

Schnarchen ist keinesfalls ein seltenes Phänomen. Nahezu 60 Prozent der Männer und 40 Prozent der Frauen tun es. Sogar bei den Kindern liegt die Quote bei stolzen 20 bis 30 Prozent. Doch wie kommt es überhaupt zum Schnarchen? Warum gehen wir unseren Mitmenschen mit solch unangenehmen Geräuschen auf die Nerven, ohne es zu merken?

Wenn die Nacht durch Schnarchen zum Albtraum wird I Quelle: pexels

Was passiert beim Schnarchen?

Das ist relativ einfach erklärt. Wenn wir schlafen, erschlafft die Muskulatur im Mund- und Rachenraum. Das heißt: Zunge, Gaumenzäpfchen, Mundboden oder die Rachenwände entspannen sich und verengen dadurch die oberen Atemwege. Wird dann im Schlaf ein- bzw. ausgeatmet, bringt die strömende Atemluft diese erschlafften Weichgewebe zum Vibrieren. Wir schnarchen.

Nur Schnarchen oder Schlafapnoe?

Mit Schnarchen können wir unsere Mitmenschen mitunter zur Weißglut bringen. Ansonsten ist Schnarchen an sich nichts Schlimmes. In vielen Fällen kann es mithilfe einer einfachen Anti-Schnarch-Schiene abgestellt werden. Problematisch, ja sogar gesundheitsgefährdend wird es jedoch, wenn es aufgrund der eingeengten oberen Atemwege zu nächtlichen Atem-Aussetzern kommt. Dann sprechen wir von einer Schlafapnoe, im Fachjargon auch obstruktives Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) genannt. Die Lunge wird während dieser Atemaussetzer unterbelüftet, was wiederum zu einer Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff führt. Gleichzeitig steigt der Gehalt des Kohlendioxids im Blut. Zehn Sekunden bis zwei Minuten – so lange können die gefährlichen Atemstillstände dauern, bis das Gehirn die Situation erkennt und mit einer Weckreaktion beendet.

Schnarchen & Schlafapnoe: Ursachen

Obstruktiv bedeutet bei Schlafapnoe, dass die Ursache in den Atemwegen liegt, die aus verschiedenen Gründen verengt sein können. Selten können Atemaussetzer ihre Ursache im Gehirn haben – das nennt man zentrale Schlafapnoe.

Hinter einfachem Schnarchen können Erkältungen, Schnupfen, Nasennebenhöhlenentzündungen oder Allergien stecken.

Eine obstruktive Schlafapnoe liegt oft in der Anatomie von Mund, Nase und Rachen begründet (z. B. zu kleiner oder nach hinten fallender Unterkiefer, vergrößerte Rachenmandeln, vergrößerte Zunge, verlängerter weicher Gaumen mit vergrößertem Zäpfchen, Nasenpolypen, verformte Nasenscheidewand).

Weitere Risikofaktoren für Schlafapnoe: starkes Übergewicht, Schlafen in Rückenlage, Rauchen, Alkohol, bestimmte Medikamente, chronische Herz- oder Lungen-Erkrankungen und Diabetes.

Atemaussetzer können schwere Folgen haben

Etwa ein Zehntel der erwachsenen Schnarcher und sogar ein Fünftel aller kindlichen Schnarcher können nächtliche Atemaussetzer haben. Die Betroffenen merken zunächst nichts davon. Am nächsten Morgen fühlen sie sich aber oft müde und schlapp, insbesondere dann, wenn es mehrmals in der Nacht zur Schlafapnoe kam. Und fehlt der erholsame Tiefschlaf bzw. wird der Schlaf wiederholt durch die lebensrettenden SOS-Reaktionen des Körpers unterbrochen, stresst das den Körper auf Dauer. Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck, Herzinfarkt oder Schlaganfall steigt.

Interdisziplinäres Teamwork ist wichtig

Einfaches Schnarchen von einem Schnarchen mit Schlafapnoe zu unterscheiden, ist nicht immer leicht. Bereits bei der Diagnostik und bei der Ursachenfindung kann es deshalb notwendig sein, dass verschiedene Fachdisziplinen wie Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Schlafmedizin, Allgemeinmedizin, Radiologie und Zahnmedizin zusammenarbeiten. Egal ob ganz jung, älter oder schon lebensreifer – um für jeden Patienten die optimale Therapieform zu finden, ist ein interdisziplinärer Ansatz erforderlich. Auch der Kieferorthopädie kommt dabei eine wichtige Rolle zu, z. B. wenn hinter dem Schnarchen eine Fehlentwicklung von Gesicht und Schädel (kraniofaziale Anomalie) steckt. Ein zu weit hinten liegender Unterkiefer oder ein zu schmaler Oberkiefer können das Schnarchen begünstigen oder gar zu Schlafapnoe führen.

Gesunder Schlaf mit geschlossenem Mund ist wichtig I Quelle: pexels

Schnarchen bei Kindern ernst nehmen und abklären lassen

Schnarcht der Nachwuchs oder die Eltern bemerken gar nächtliche Atemaussetzer, sollten sie ihr Kind unbedingt auch einem Fachzahnarzt für Kieferorthopädie vorstellen. Dieser prüft dann die altersgerechte Entwicklung von Ober- und Unterkiefer sowie deren Lagebeziehung zueinander. Zudem kontrolliert der Kieferorthopäde die Stellung der Zähne im oberen und unteren Zahnbogen. Und liegt tatsächlich eine für das Schnarchen ursächliche Fehlentwicklung vor, kann diese nicht selten bereits durch eine KFO-Behandlung behoben werden. Übrigens: Auch Erwachsenen mit einer bis dato unbekannten oder unbehandelten kraniofazialen Fehlentwicklung kann geholfen werden.  

Vor der KFO-Behandlung: sorgfältige Diagnostik

Das A und O einer erfolgreichen Schnarchtherapie ist die sorgfältige Diagnostik und das bei Bedarf Hand-in-Hand-Agieren der verschiedenen Fachdisziplinen. Für jeden individuellen Fall gilt es hierbei, die Ursachen genau und zuverlässig zu ermitteln. In manchen Fällen kann der Fachzahnarzt das Problem am besten angehen: Das kann bei einfachem Schnarchen ohne Apnoe und bei leichten bis mittelschweren Atemaussetzern der Fall sein. Voraussetzung ist, dass im Vorfeld abgeklärt wird, ob eine kieferorthopädische Behandlung zur Stellungskorrektur von Kiefern und Zähnen oder der Einsatz von Schnarcherschienen als alleiniges Therapiemittel geeignet sind. Bei schweren Atemaussetzern muss ein Schlafmediziner (spezialisierter HNO- oder Lungenfacharzt) hinzugezogen werden.

So hilft Kieferorthopädie gegen Schnarchen

Zur Schnarchtherapie und zur Behandlung von Schlafapnoe werden heutzutage verschiedene orale Apparaturen eingesetzt. Dies können z. B. Unterkiefer-Protrusionsschienen sein, die nachts getragen werden. Oft bei Erwachsenen eingesetzt, bewirken diese eine nächtliche Vorverlagerung des Unterkiefers. Sie wirken einer Erschlaffung der beteiligten Gewebe (z. B. des Zungengrunds) und somit einer Verengung der Atemwege aktiv entgegen. Eine solche Anti-Schnarch-Schiene besteht in der Regel aus zwei miteinander verbundenen Kunststoffschienen für den Ober- und Unterkiefer.

Darüber hinaus können sogenannte funktionskieferorthopädische Apparaturen (FKO-Geräte) zur Anwendung kommen. Ebenfalls herausnehmbar, beeinflussen diese gezielt die Lage von Ober- und Unterkiefer zueinander. Parallel trainieren sie die Mundmuskeln und verbessern somit die Atmung, die Zungenfunktion sowie den Lippenschluss.

Während des Wachstums kommen aktive Platten zur Anwendung. Durch das spezielle, individuell angepasste Design dieser losen Zahnspangen kann das Kieferwachstum positiv beeinflusst werden (z. B. Verbreiterung des Oberkiefers). Zudem ist es möglich, dabei zeitgleich bestimmte Fehlstellungen von Zähnen zu beheben.

Eine Alternative zur schnellen Erweiterung des Oberkiefers sind festsitzende Gaumennahterweiterungsapparaturen (GNE) im Oberkiefer.

Der alleinige Einsatz dieser Therapiegeräte ist bei Patienten mit einfachem Schnarchen sowie bei leichter bis mittelschwerer Schlafapnoe meist sehr erfolgreich. Liegt hingegen eine deutlich ausgeprägte, schwerwiegende Schlafapnoe vor, können eine nächtliche Beatmung mit einem CPAP-Gerät (Continuous Positive Airway Pressure) oder gar ein operativer Eingriff erforderlich sein. 

Therapiegeräte sollten individuell angepasst und laborgefertigt sein

Egal ob Anti-Schnarch-Schienen zur Vorverlagerung des Unterkiefers, funktionskieferorthopädische Geräte oder aktive Platten: Ihre Wirksamkeit hängt in jedem Fall von der Passgenauigkeit ab. Daher sollten die Apparaturen durch den Fachzahnarzt für Kieferorthopädie an die individuellen Bedürfnisse angepasst und vom zahntechnischen Fachlabor gefertigt werden.

tiefblau Kieferorthopädie Köln

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Quellen:

  • Das Gesundheitsportal medondo.health
  • Acar M, Saylisoy S, San T, Cingi C, Ay Y, Karabag A, Türkcan I: Comparison of the effects of mandibular protruding devices on obstructive sleep apnoea patients and healthy volunteers. In: J Craniomaxillofac Surg. 2014 Oct;42(7):1465-8.
  • Behandlung von erwachsenen Patienten mit obstruktiven schlafbezogenen Atmungsstörungen mit Unterkieferprotrusionsapparaturen. Stellungnahme der DGKFO. 2008.
  • Carvalho FR, Lentini-Oliveira DA, Prado LB, Prado GF, Carvalho LB: Oral appliances and functional orthopaedic appliances for obstructive sleep apnoea in children. In: Cochrane Database Syst Rev. 2016 Oct 5;10(10):CD005520.
  • de Almeida FR, Lowe AA, Tsuiki S, Otsuka R, Wong M, Fastlicht S, Ryan CF. Long term compliance and side effects of oral appliances used for the treatment of snoring and obstructive sleep apnea syndrome. J Clin Sleep Med 2005;1:143–152.
  • Mickelson SA: Oral Appliances for Snoring and Obstructive Sleep Apnea. Review. Otolaryngol Clin North Am. 2020 Jun;53(3):397-407.
  • Universitätsklinikum Würzburg, Schnarchen und nächtliche Aussetzer 
  • Deutscher Berufsverband der Hals-Nasen-Ohren-Ärzte e.V., Schnarchen & Schlafapnoe – Ursachen und Risiken